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50+ und digital?

Die Digitalisierung macht auch vor älteren Mitarbeitenden nicht halt. Wie lassen sich die Qualitäten der Mitarbeitenden 50+ in die moderne Arbeitswelt integrieren?

Die Skepsis ist gross, und sie reicht sogar bis ins Parlament: Diesen Sommer wurde eine parlamentarische Initiative vorgeschlagen, die das Potential älterer Arbeitskräfte nutzen und klug stärken sollte. Die Initiative wurde zwar nicht angenommen, aber sie zeigt, dass die Sorge um ältere Arbeitnehmende sehr konkret ist. Insbesondere meint man, dass die fortschreitende Digitalisierung ältere Arbeitskräfte vor Probleme stellen dürfte. Und wenn man mit 50+ den Job verliert, bleibt man erst noch im Durchschnitt länger arbeitslos als Jüngere.

pexels-photo-57007.jpegDie Digitalisierung macht auch vor Mitarbeitenden 50+ nicht Halt.

Studien und Vorurteile

Soweit die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist jedoch sehr erfreulich: Die Schweiz gehört, was die Beschäftigung von Mitarbeitenden 50+ anbelangt, zur europäischen Spitze. Während bei sehr jungen Arbeitskräften (bis 25 Jahren) zwei von drei eine Arbeit haben, sind es bei älteren Arbeitnehmenden drei von vier. Es ist nicht schwer zu verstehen, warum dies so ist: Ältere Kolleginnen und Kollegen verfügen nicht nur über ein grosses Wissen, sondern auch über eine ebenso grosse Erfahrung, die es ihnen erlaubt, schnell gute Entscheidungen zu fällen. Darüber hinaus ist ein diversifiziertes Team, das auch aus Mitarbeitenden älteren Jahrgangs besteht, innovativer und produktiver.

Auch die verbreiteten Vorurteile, das Alter beeinflusse die Arbeit negativ, können nicht bestätigt werden. Studien zeigen auf, dass ältere Mitarbeitende nicht nur bei den Kernkompetenzen gleich gut sind wie jüngere, sondern auch bei sozialen Kompetenzen oftmals Vorteile haben. So sind sie beispielsweise weniger aufbrausend und neigen seltener zu Aggression am Arbeitsplatz.

workers-501396_1280.jpgÄltere Mitarbeitende sind sowohl fachlich wie auch sozial nicht schlechter als jüngere.

Solche Studien zeigen nicht zuletzt auch auf, dass die Sorge der Parlamentarier unbegründet ist: Es spricht aus «physischer» oder «psychologischer» Sicht überhaupt nichts dagegen, dass sich ältere Mitarbeitende nicht genauso in die digitale Arbeitswelt einbinden können wie jüngere. Auch unzählige Beispiele aus der Arbeitswelt selbst belegen dies tagtäglich. Das Problem, sofern es überhaupt eines gibt, sind also offensichtlich nicht die Mitarbeitenden an sich, sondern die mangelnde Bereitschaft zur Innovation. Und diese kommt nicht zuletzt auch davon, dass man der Generation 50+ häufig zu wenig zutraut, so dass sich die Betroffenen irgendwann selbst weniger zuzutrauen beginnen.

Gesellschaft und Alter

Wenn sich also etwas ändern muss, dann die gesellschaftliche Stigmatisierung der älteren Arbeitskräfte. Viele erfolgreiche Firmen, auch und insbesondere in der Industrie, haben verstanden, dass ältere Mitarbeitende ein grosser Gewinn sind, man aber individuell auf ihre Bedürfnisse eingehen muss. Ein offener Diskurs über Nachfolgeregelungen, Veränderungen der Aufgabenbereiche oder Anpassungen des Beschäftigungsgrades bringt Arbeitnehmenden wie Arbeitgebenden Vorteile.

man-2164172_1280.jpgEin offener Diskurs über die Bedürfnisse der Generation 50+ würde allen guttun.

Ebenso offen sollte über die Einstellung der älteren Mitarbeitenden zum Thema Digitalisierung gesprochen werden. Firmen und Verbände sollten den Diskurs in die Öffentlichkeit tragen, wie dies beispielsweise die Swissmem-Strategie Ältere Arbeitskräfte anstrebt. Auch beim Thema Digitalisierung werden jedoch voraussichtlich nur individuelle Lösungen langfristig zielführend sein. Sollten sich einzelne Mitarbeitende dagegen entscheiden, mit der Digitalisierung Schritt zu halten, sollte es immer noch die Möglichkeit einer alternativen Karriere geben. Sei dies in beratender Funktion in derselben Firma oder in einem gänzlich neuen Betätigungsfeld. Eine neue Stelle zu finden ist nach 50 nämlich sehr gut möglich – mittlerweile gibt es sogar Dienste, die hierbei helfen, beispielsweise das Portal work50.ch.

Weiterlesen:

Der Bund: Worauf es bei Ü50 im Job ankommt https://www.derbund.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/worauf-es-im-umgang-mit-den-ue50-besonders-ankommt/story/16622331

Parlament: Das Potenzial älterer Arbeitskräfte klug nutzen und klug stärken https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/amtliches-bulletin/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=40258

Fachkräfte Schweiz: 50+ https://www.fachkraefte-schweiz.ch/de/50plus/

Work50: Jobs für die Generation 50+ https://www.work50.ch/

Swissmem-Strategie Ältere Mitarbeitende https://www.swissmem.ch/de/industrie-politik/fachkraefte-blog/strategie/aeltere-mitarbeitende.html

Studie: The Relationship of Age to Ten Dimensions of Job Performance https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18361640

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Tags: Arbeit, Technologie

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