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Die «Gehirn-Maschine»

Glaubt man einigen Zukunftsforschern, werden künstliche Intelligenzen bald klüger sein als wir. Doch können Maschinen wirklich auf die gleiche Art denken, wie es unser Gehirn tut?

Wir wissen es alle: Computer rechnen immer schneller, lösen immer komplexere Probleme und durchdringen unseren Alltag von Tag zu Tag mehr. Sie übernehmen immer häufiger Aufgaben, die man ihnen vor einigen Jahren noch nicht zugetraut hätte: Sie erkennen Bilder und gesprochene Sprache, lernen selbständig Englisch und gewinnen gegen Schachspieler und in Fernseh-Game-Shows. Wenn man sich diese Leistungen anschaut, könnte man meinen, die Wissenschaft sei eigentlich schon sehr nah dran, unser Gehirn auf einen Computer übertragen zu können.

Aus diesem Gedanken heraus entstand auch das "Human Brain Project". Ein Forschungsprojekt der EU, an dem über 120 Institute teilnehmen und das mit über 1 Milliarde Euro finanziert wird. Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, unser Gehirn vollständig zu entschlüsseln und zu digitalisieren.

Wie denkt der Mensch?

Ein hoch gestecktes Ziel! Aber gerade deshalb gab es von Anfang an Kritik am Human Brain Project. Hunderte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben gegen das Projekt protestiert. Sie behaupteten, dass niemand genau weiss, wie unser menschliches Gehirn genau funktioniert. Wie soll also etwas digitalisiert werden, das man noch gar nicht richtig kennt?

Weitere Kritik kommt von Rolf Pfeifer, Professor für Computerwissenschaft und ehemaliger Leiter des Büros für Robotik der Universität Zürich. Er ist davon überzeugt, dass die künstliche Intelligenz noch weit davon entfernt ist, menschenähnlich zu sein. Wir denken zwar häufig, der Computer sei so klug wie wir (oder sogar klüger). Das liegt aber in erster Linie daran, dass wir meist nur die Ergebnisse der künstlichen Intelligenz sehen. Diese sind zwar beeindruckend, aber die Prozesse, die dahinter stecken, haben nichts mit menschlichem Denken zu tun. Das menschliche Gehirn ist mit dem Rest des Körpers verknüpft und erhält die ganze Zeit Impulse von ihm. So kann es Wissen auf unterschiedlichste Art aufbauen.

Wie denkt die Maschine?

Ein Computer hingegen erhält nur einen Haufen Daten, die meistens sogar speziell verarbeitet und gesäubert wurden, und lässt über diese Daten Algorithmen laufen. So kann er zwar zum Beispiel lernen, auf einem Bild eine Katze zu erkennen, aber er versteht nicht, was eine Katze ist - dass sie beispielsweise flauschig ist, Krallen hat, ein Raubtier, aber zugleich ein beliebtes Haustier ist und von vielen Menschen als herzig empfunden wird. Ein kleines Kind lernt all dies jedoch problemlos und in kürzester Zeit.

pexels-photo-131616.jpegSchach war eines der ersten Spiele, das der Computer spielen konnte.

Auch Computer, die Spiele wie Schach oder das japanische Brettspiel Go beherrschen, sind auf den ersten Blick verblüffend, aber im Grunde genommen rechnen sie nur alle möglichen Spielsituationen aus. Ein Computer, der Go spielt, weiss nicht, was er genau tut und wieso. Er versteht nicht einmal, was Go überhaupt ist. Er rechnet einfach den bestmöglichen Spielzug aus. Immer und immer wieder.

Das bedeutet, dass auch die modernsten Rechner noch weit davon entfernt sind, echte künstliche Intelligenzen zu sein. Anders gesagt: Auch wenn der Taschenrechner eine Wurzel schneller berechnen kann als das grösste menschliche Mathe-Genie, wird trotzdem niemand mit dem Taschenrechner tauschen wollen. Genauso verhält es sich mit Grosscomputern, die im Grunde genommen auch nichts Anderes sind als riesengrosse Taschenrechner.

anatomy-1751201_1280.pngWie lassen sich Gehirn und Computer auf einen Nenner bringen?

Daher gehen Rolf Pfeifer und einige weitere Fachleute den umgekehrten Weg. Um herauszufinden, wie man das menschliche Gehirn auf den Computer übertragen kann, wollen sie zunächst verstehen, wie das Gehirn überhaupt funktioniert. Dafür treffen sich im Mai 2018 die hundert klügsten Köpfe auf diesem Gebiet für zwei Wochen in Arosa, um dem Gehirn ein wenig mehr auf die Spur zu kommen.

Weiterlesen:

Tages-Anzeiger: "Das ist immer noch ein Hype"

NZZ: Künstliche Intelligenz im "goldenen Ei"

ARD: Human Brain Project

Süddeutsche Zeitung: Human Brain Project: Dicke Schädel, falsche Versprechen

Projekt Mindfire: Website

 

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Tags: Technologie

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