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Fliegen wir bald auf Strom?

Ökologische Technologien sind auch im Personenverkehr immer mehr auf dem Vormarsch. Kommt nach dem strombetriebenen Tesla nun auch das strombetriebene Flugzeug?

Der Traum vom Fliegen ist wohl der älteste Traum der Menschheit. Schon im antiken Griechenland erzählte man sich Geschichten über Ikarus, der mit selbstgebauten Flügeln fliegen konnte. Er musste diese Freiheit jedoch teuer bezahlen, als er übermütig zu nah an die Sonne flog, was seine Flügel verbrannte und ihn in den Tod stürzen liess.

Ikarus hätte sich wahrscheinlich nicht vorstellen können, dass wir uns einige Tausend Jahre später nicht nur den Traum vom Fliegen erfüllen würden, sondern dass die Sonne uns sogar die Energie dafür liefern kann. Strom – beispielsweise aus Solarenergie gewonnen – ersetzt bei einigen Flugzeugen nämlich bereits den herkömmlichen Treibstoff.

 

Wieso fliegen wir nicht schon lange mit Strom?

Der Grund, warum diese naheliegende Idee erst über hundert Jahre nach der Erfindung von Strom verwirklicht wird, ist ganz einfach: Die Batterien, die für die Speicherung und Weitergabe von Strom verantwortlich sind, sind erst seit kurzer Zeit leistungsfähig genug. Aber auch moderne Batterien sind noch nicht in der Lage, das Flugzeug über eine längere Strecke mit Energie zu versorgen – die Reichweite der Flüge ist gegenwärtig das grösste Problem. Bei Segelflugzeugen jedoch, die auf kurze Distanzen ausgelegt sind, werden Elektromotoren bereits als unterstützender Antrieb verwendet.

aeroplane-fly-flying-9670.jpgBei Segelflugzeugen liefern Elektromotoren unterstützenden Antrieb.

Wenn die Technik weiterhin in diesem Tempo voranschreitet, werden bald auch längere strombetriebene Flüge möglich sein. Einige Flugzeug-Prototypen existieren bereits, einige kann man sogar bereits kaufen; so beispielsweise den Zweisitzer «Alpha Electro» der slowenischen Firma Pipistrel, der mit einer Batterieladung über eine Stunde lang in der Luft bleiben kann. Andere Entwickler sind anspruchsvoller: Der israelische Hersteller Eviation versucht mit dem neunsitzigen Airbus «Alice» Geschwindigkeiten von bis zu 1000 km/h erreichen – deutlich mehr als der bisherige Rekordhalter unter den E-Flugzeugen, der «Extra 330LE», der mit seinem Siemens-Elektromotor 337,5 km/h schafft.

Wozu aber brauchen wir überhaupt Elektroflugzeuge? Der wichtigste Grund ist die Umweltverträglichkeit. Herkömmliche Treibstoffe sind fossile Energieträger. Ihre Menge ist begrenzt und sie wachsen nicht nach. Strom hingegen kann aus ökologisch unbedenklichen und nachhaltigen Quellen wie Sonne, Wasser oder Wind gewonnen werden. Ein weiterer Grund ist wirtschaftlicher Natur. Mit Batterien und ohne flüssigen Treibstoff würden weniger Wartungsarbeiten anfallen, und diese sind der grösste Kostenpunkt für die Airlines. Es würde also auch finanziell sinnvoll sein, auf Elektroflugzeuge umzusteigen.

Wohin geht die Reise?

Das Interesse daran, Elektromotoren auch in der Luftfahrt zu etablieren, ist entsprechend riesig. So will beispielsweise die Günstig-Airline EasyJet mithilfe der Unterstützung des kalifornischen Start-Ups Wright Electric bereits in zehn Jahren die Kurzstreckenflüge mit elektrisch angetriebenen Flugzeugen durchführen. Die Flugzeuge sollen komplett elektrisch betrieben werden, 180 Passagiere transportieren können und eine Reichweite von 540 Kilometern aufweisen.

Die Frist von zehn Jahren scheint realistisch. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt rechnet damit, dass noch ca. fünf Jahre für die Forschung und weitere fünf für die Entwicklung benötigt werden. Andere Projekte, wie beispielsweise ein Lufttaxi für die deutsche Grossstadt München, rechnen mit ähnlichen Zeitspannen.

K1600_170910_129.JPGDie Smartflyer Challenge in Grenchen.

Der Schweiz, genauer gesagt Grenchen im Kanton Solothurn, könnte in dieser Entwicklung eine wichtige Rolle zukommen. Nicht nur wird seit 2017 in Grenchen die «Smartflyer Challenge», also eine Vorführung der aktuellsten Elektroflugzeuge, durchgeführt. Das Grenchner Start-Up Smartflyer entwickelt darüber hinaus ein hybrid angetriebenes Viersitzer-Flugzeug. Die Chancen stehen also gut, dass sich die Schweiz in den nächsten Jahren zu einem der Zentren der strombetriebenen Luftfahrt entwickelt.

 

Weiterlesen:

NZZ: Wann kommt das Elektroflugzeug

DW: Elektroflugzeuge der Zukunft

NZZ: EasyJet will in zehn Jahren mit Elektroflugzeugen abheben

Grenchner Tagblatt: Grenchen als europäisches Zentrum für Elektroflugzeuge

Wikipedia: Elektroflugzeuge

 

 

Bildquellen:

pexels.com

smartflyer-challenge.ch

Tags: Energie, Mobilität, Technologie

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