Hat die Work-Life-Balance ausgedient? | Find your Future

Hat die Work-Life-Balance ausgedient?

Im Zuge der Veränderungen in der Arbeitswelt wird seit kurzem auch ein angestammter Begriff diskutiert: derjenige der Work-Life-Balance. Braucht es eine neue Definition der Beziehung zwischen Arbeit und Freizeit?

Die Arbeit befindet sich im Wandel. Doch was bedeutet das genau? Neben neuen Produktionsprozessen und Arbeitsplatzmodellen betrifft der Wandel auch die Frage, wie Arbeit und Freizeit unter einen Hut gebracht werden. Bis anhin suchte man eine gerechte bzw. ausgeglichene Work-Life-Balance. Doch was, wenn die Idee einer Work-Life-Balance an sich bereits problematisch ist?

Die zwei Probleme der Work-Life-Balance

Die Idee der Work-Life-Balance erscheint aus zwei Gründen problematisch. Einerseits liegt diesem Begriff die Metapher einer Waage  - oder vielleicht eher einer Wippe, wie sie auf dem Kinderspielplatz zu finden ist - zugrunde. Die beiden Seiten der Wippe repräsentieren die Arbeitszeit und die Freizeit, und das Ziel sollte sein, die beiden Seiten in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen.

backyard_seesaw.jpgDie Wippe als Metapher der Work-Life-Balance.

Doch dies ist aus nachvollziehbaren Gründen problematisch. Kann man bei einer Arbeitszeit von 9 Stunden und 1-2 Stunden Pendeln die Wippe überhaupt noch ausgleichen? Wenn ja, müsste die Freizeit schwerer "wiegen" als die Arbeitszeit. Warum sollte dies aber so sein? Oder gibt es intensivere und weniger intensive Freizeit? Müsste dies dann aber nicht für die Arbeitszeit ebenso gelten? - Die Schwierigkeiten sind offensichtlich.

Das zweite Problem liegt im sprachlichen Ausdruck selbst: Ist denn das Gegenteil von Arbeit "Life"? Gehört die Arbeit dann nicht zum Leben dazu? Oder ist Arbeit gar - und jetzt wird es ein wenig absurd - der Tod?

Der Work-Life-Flow

Offensichtlich muss ein neues Konzept her. Insbesondere auch, weil unregelmässige Arbeitszeiten, freie Arbeitszeiteinteilung oder Home Office die klare Trennung von Arbeit und Nicht-Arbeit mittlerweile ohnehin nicht mehr ermöglichen.

Microsoft hat sich beim Aufbau ihrer Münchner Filiale dieselben Gedanken gemacht und kam zum Schluss, dass das Konzept Work-Life-Balance ausgedient hat: Die neue Philosophie heisst Work-Life-Flow. Was anfangs als lediglich unbedeutende Änderung erscheint, unterscheidet sich jedoch deutlich von der angestammten Idee des harmonischen Gleichgewichts.

2000px-Flow.svg.png"Flow" bezeichnet in der Psychologie einen Zustand zwischen Über- und Unterforderung, bei dem man komplett in der Beschäftigung aufgeht.

Flow meint hierbei sowohl einen nahtlosen Übergang als auch den psychologischen Flow, sprich komplette Vertiefung und völliges Aufgehen in der momentanen Tätigkeit. Konkret heisst das, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit nicht mehr so streng sind wie früher. Wenn man von Zuhause aus arbeitet, gönnt man sich vielleicht ab und an eine Pause, um mit den Kindern zu spielen - im Gegenzug kann man einige Mails auch am Wochenende via Handy beantworten. Flexible Arbeitszeiten in Verbindung mit Home Office erlauben es, den Tag durch für die Familie dazusein, im Gegenzug aber bis kurz vor dem Schlafengehen zu arbeiten usw.

Plötzlich ist also die Arbeit nicht mehr das Gegenteil von "Life", sondern ein wichtiger Teil davon, der sich ins Leben verflicht und mit diesem interagiert. Dies entspricht dem Zeitgeist und scheint zumindest für Microsoft gut zu funktionieren. 1900 Mitarbeitende in München teilen sich gerade einmal 1100 Arbeitsplätze. Die Arbeitswelt ist tatsächlich eine andere geworden, und es wird spannend sein, zu erleben, wie sich Arbeit und Freizeit in der Zukunft gestalten.

Weiterlesen

Smart Workspace in München

Microsoft führt den Work-Life-Flow ein

Wie flexibel soll der Work-Life-Flow sein?

Flow in der Psychologie

Bildquellen

pexels.com

de.wikipedia.org

cedarworks.com

Tags: Arbeit, Leben

Kommentiere diesen Artikel

Ähnliche Blog-Artikel