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Schweizer Professorin erhält Europäischen Erfinderpreis

Ursula Keller, ETH-Professorin für Experimentalphysik und Pionierin der Lasertechnologie, erhält als erste Schweizerin den europäischen Erfinderpreis für ihr Lebenswerk.

Der Laser ist eine faszinierende Technologie. Er hat nur einen entscheidenden Nachteil: Er ist zu stark. Der gebündelte Lichtstrahl kann empfindliche Materialien nicht bearbeiten, ohne Verbrennungen zu verursachen oder gar die gesamte Oberfläche zu zerstören. Was soll man also tun? Soll man diese vielversprechende Technologie aufgeben und nach einer besseren Alternative suchen? Oder das Verfahren verbessern, um es universell einsetzbar zu machen?

Laser_cutting_machine.jpgLaser werden unter anderem fürs Schneider von Material verwendet

Vor genau diesem Problem stand die junge Forscherin Ursula Keller in den 80er Jahren, als sie noch bei AT&T Bell in den Vereinigten Staaten tätig war. Sie entschied sich für die zweite Möglichkeit und suchte nach Wegen, den allzu starken Laserstrahl einzudämmen. Und sie hatte Erfolg: Mit dem Einsatz bestimmter Spiegel (der sogenannten SESAM-Spiegel) konnte sie den starken Laserstrahl in ultrakurze Impulse aufbrechen, die bis zu mehrere Milliarden Mal pro Sekunde auf das Material eintreffen. So entwickelte sich keine allzu grosse Hitze, und das Material blieb auch bei intensiver Bearbeitung unbeschädigt.

Eine neue Generation von Lasern war geboren: Kellers Ansatz revolutionierte die Lasertechnik und machte sie auch in sehr empfindlichen Tätigungsfeldern einsetzbar, wie beispielsweise der Medizintechnik. Moderne Augenoperationen wären ohne die SESAM-Technologie nicht denkbar. Aber auch die Unterhaltungsindustrie profitiert: Handybildschirme werden beispielsweise mit Kellers Technologie geschnitten.

RW_laser.jpgModerne Augenoperationen verlassen sich auf die SESAM-Technologie

Über die ETH zum Erfinderpreis

Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten. Die SESAM-Technologie wurde schnell zum Industriestandard, und Ursula Keller bekam eine Professorenstelle an der ETH Zürich angeboten. Mit 33 Jahren war sie nicht nur erstaunlich jung, sondern darüber hinaus die erste weibliche Professorin an einem naturwissenschaftlichen Lehrstuhl der Zürcher Hochschule. Die Stelle hat sie bis heute inne.

25 Jahre später wird sie nun mit dem Europäischen Erfinderpreis für ihr Lebenswerk geehrt. Nach Andreas Schadt (2013), dem Erfinder der Flüssigkristallanzeige, und Chemiker Andreas Manz (2015) geht der Preis zum dritten Mal in die Schweiz.

Die SESAM-Laserspiegel sind jedoch nicht das Einzige, woran Ursula Stadler arbeitet. Berühmt wurde sie nicht zuletzt für die Entwicklung der Attoclock, einer der präzisesten Uhren der Welt, welche die Zeit im Attosekunden-Bereich messen kann, also auf wenige Milliardstel einer Milliardstelsekunde genau. Mit dieser Uhr kann die Dauer bestimmter Vorgänge auf subatomarer Ebene gemessen werden, wie dieses Video der ETH Zürich zeigt:

Frauenanteil an der Weltspitze steigt

In den 80er und 90er Jahren war es noch ungewöhnlich, dass Frauen hohe Posten im Bereich der Naturwissenschaft bekleideten. Heute ist der Anteil von Forscherinnen beträchtlich höher, was nicht zuletzt am jahrelangen Engagement von Wissenschaftlerinnen wie Ursula Keller liegt. Auch der Erfolg bleibt nicht aus: Neben Keller wurden dieses Jahr drei weitere Forscherinnen mit dem Erfinderpreis in unterschiedlichen Kategorien ausgezeichnet – so viele wie noch nie seit der Einführung des Preises.

winnersEIA2018_B6A58FBD0B6645A39EA31D907A9320B1.jpgDie Finalistinnen und Finalisten des Europäischen Erfinderpreises 2018

Und was bringt die Zukunft? In wenigen Jahren wird Keller zwar die ETH verlassen und in den Ruhestand gehen, das heisst jedoch noch lange nicht, dass damit auch ihre Karriere vorbei sein wird. Gegenwärtig arbeitet die zweifache Mutter an Halbleiter-Lasertechnologien zur hochpräzisen Distanzmessung. Wenn es ihr gelingt, die Geräte so klein zu machen, dass sie auf eine Drohne montiert werden können, wird sie vermutlich ein Start-Up gründen. Unternehmergeist kennt schliesslich keine Altersgrenze.

 

Weiterlesen

ETH: Erfinderpreis für Ursula Keller

NZZ: Revolutionärin der Lasertechnik

NZZ: Blendende Dompreuse des Lichts

ETH: What is a SESAM

 

Bildquellen

epo.org

commons.wikimedia.org

Tags: Arbeit, Technologie

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