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Social Leadership: Jede/-r eine Führungsperson?

Das Wort "Führungsperson" erweckt in uns bis heute Bilder von entscheidungsstarken, fast übermenschlichen Frauen und Männern, die zugleich Befehlshaber und Vorbild sind und ihre Unternehmen in eine bessere Zukunft führen. Die Frage ist nur, ob dieses Bild in ein paar Jahren noch richtig ist.

Thomas Malone von der MIT School of Management behauptet, dass einige der wichtigsten Innovationen der kommenden Jahrzehnte nicht neue Technologien sein werden, sondern neue Arten der Zusammenarbeit, die auf diesen Technologien basieren. Direkt davon betroffen wird auch die Frage nach der Führung sein: Wie funktioniert Leadership in der Zukunft? Und wieso unterscheidet es sich so stark von der heutigen?

Zwei Fehlannahmen

Als das ägyptische Staatsoberhaupt Hosni Mubarak sein Amt niederlegte, fragte sich die Presse, wer der Anführer der Gegenbewegung war, die ihn zum Rücktritt gezwungen hatte. Sie fanden den Anführer nie, denn es gab keinen. Die Jugend Ägyptens hatte sich dynamisch über soziale Netzwerke organisiert. Ein zweites Beispiel: Die beliebte Online-Enzyklopädie Wikipedia hat keinen Chef, der über den Inhalt der Artikel entscheidet. Bei so vielen Texten wäre das auch unmöglich. Die Community organisiert sich selbst, indem jede und jeder die Möglichkeit hat, Änderungen an Texten vorzunehmen, und so für einen Moment die Führung übernimmt.

1280px-Wikipedia_mini_globe_handheld.jpgBei Wikipedia darf jeder zwischenzeitlich die Führung übernehmen.

Wieso funktionieren solche Projekte? Ein möglicher Grund ist, dass Führung nicht mehr das ist, was man sich im Allgemeinen darunter vorstellt. Moderne Kommunikationsmittel und die globale Vernetzung bringen andere Hierarchie- und Leadershipmodelle mit sich. Die traditionelle Annahme, dass Führungsaufgaben in der Hand einer einzigen Person am besten aufgehoben sind, muss neu gedacht werden.

Auch der Gedanke, dass nur Personen, die eine hohe Position in einem Unternehmen haben, Führungsaufgaben übernehmen sollten, steht zur Diskussion. Schliesslich können - und sollten - Aufgaben wie die Motivation der Mitarbeitenden von allen übernommen werden. Denn motivierte Kolleginnen und Kollegen liegen schliesslich jedem am Herzen, nur schon, um eine gute Arbeitsatmosphäre zu erhalten.

Ein Lösungsweg

Führung scheint also immer mehr zu einem sozialen Prozess zu werden, der alle Beteiligten involviert. Daher engagieren sich auch unterschiedliche Stimmen für eine Verteilung der Führungsaufgaben, so beispielsweise das Center for Creative Leadership oder der ehemalige McKinsey-Partner Frédéric Laloux in seinem Buch "Reinventing Organisations".

Beide betonen, dass es unumgänglich ist, die Führung auf mehrere - oder gar alle - Mitarbeitenden auszulagern. So werden Machthierarchien, die den modernen Technologien ohnehin kaum mehr standhalten können, aufgelöst. Es entstehen natürliche Hierarchien, die ständig wechseln. Somit gibt es keine starren Rollen mehr und die Mitarbeitenden können ihre Fähigkeiten individuell einbringen.

Dies ist besonders wichtig, wenn man bedenkt, dass über zwei Drittel aller Arbeitnehmenden nur eine geringe Bindung an ihr Unternehmen empfinden: Das Wegfallen von starren Rollen und Hierarchien und die Übernahme von mehr Verantwortung könnten zu einem besseren Verhältnis zwischen Mitarbeitenden und Unternehmen führen. Nicht zuletzt sollte dies ein Ziel aller Führungspersonen sein.

Unterschiedliche Führung für unterschiedliche Aufgaben

Je nach Arbeitsgebiet und Teamzusammensetzung wird auch in Zukunft Leadership unterschiedlich interpretiert werden. Patentlösungen mit Erfolgsgarantie wird es kaum geben. Sicher ist aber, dass jede Organisation sich der Frage stellen muss, welches für sie die geeignetste Form ist.

 

Weiterlesen:

Reinventing Organisations (Webseite zum Buch)

denkmodell.de: Reinventing Organisations

Center for Creative Leadership: Future Trends

Forbes: Future of Leadership and Management

Bilquellen:

de.wikipedia.org

yourstory.com

Tags: Arbeit

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