Tipps fürs Vorstellungsgespräch | Find your Future

01. Januar 2016

Tipps fürs Vorstellungsgespräch

Wenn man eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhält, ist eine grosse Hürde schon gemeistert und ein Grossteil der Konkurrenz ist aus dem Rennen. Jetzt gilt es aber, sich gegen die am besten qualifizierten Mitbewerberinnen und Mitbewerber durchzusetzen.

Ein Vorstellungsgespräch ist, anders als viele Leute meinen, kein Kreuzverhör. Aber es ist häufig eine stressreiche Situation und eine unbekannte Art von Gespräch. Blind in ein Vorstellungsgespräch zu gehen und aufs Beste zu hoffen, ist selten eine gute Idee. Deshalb werden im Folgenden die drei Phasen eines erfolgreichen Vorstellungsgesprächs erläutert: Die Vorbereitung, das Gespräch und das Verhalten danach.

 

1. Vorbereitung

Der wahrscheinlich wichtigste Teil eines Vorstellungsgesprächs findet lange vor dem eigentlichen Gespräch statt – die Vorbereitung. Ein unvorbereitetes Gespräch endet selten gut, denn es signalisiert, dass man den Job und somit die Firma nicht wirklich ernst nimmt. Und wer möchte schon so jemanden einstellen? Glücklicherweise ist heutzutage eine Vorbereitung ganz einfach.

Drei Aspekte müssen bei der Vorbereitung im Vordergrund stehen: Die Stellenbeschreibung, die Firma sowie die eigene Person. Daher sollte man, wenn man sich auf ein Online-Inserat bewirbt, sofort das entsprechende Dokument ausdrucken, für den Fall, dass die Ausschreibung zu einem späteren Zeitpunkt gelöscht sein sollte.

pexels-photo.jpgEine gute Vorbereitung ist entscheidend.
  • Stellenbeschreibung: Die Stellenbeschreibung beschreibt, welche Kenntnisse und Eigenschaften die optimalen Kandidaten haben müssten. Daher sollte man sich diesen Text genauer ansehen. Welche Anforderungen sind die wichtigsten? Welche sind weniger wichtig? Die wichtigsten Stichworte sollte man sich herausschreiben und mit dem eigenen Lebenslauf bzw. der eigenen Person abgleichen: Worauf passe ich besonders gut, wo fehlt mir noch etwas?
  • Firma: Welche Informationen lassen sich über die Firma in Erfahrung bringen, vielleicht sogar über die konkreten Gesprächspartner? Im digitalen Zeitalter stellt diese Recherche grösstenteils kein grosses Problem dar. Auch hier gilt: Welche Aspekte der Firma sprechen mich am meisten an? Wo möchte ich noch mehr Informationen haben? Alle Informationen, die man nicht gefunden hat, kann man als Fragen auf ein Blatt Papier notieren – das wird später wichtig werden. Wenn man sogar Informationen über die Gesprächspartner herausfinden kann, ist das ebenso von Vorteil. Vielleicht stammt die HR-Verantwortliche aus derselben Stadt, oder der Geschäftsführer ist Fan vom gleichen Hockeyteam. Solche Infos können helfen, das Eis zu brechen.
  • Eigene Person: Wenn man die Stellenausschreibung und die Firmendaten mit der eigenen Person abgeglichen hat, ist schon ein grosser Teil der Vorarbeit gemacht. Jetzt geht es nur noch darum, sich selbst ein wenig besser kennenzulernen. Insbesondere sollte man sich überlegen, was man auf die – sehr beliebte – Aufforderung, man solle «ein wenig von sich selbst erzählen», antworten will. Dazu darf man sich gerne einige Gedanken machen, auswendig lernen sollte man jedoch nichts. Vorbereitete Antworten kennen die Personalverantwortlichen schon zur Genüge.

 

2. Das Gespräch

Wenn man das Gespräch mit einer vertrauten Person geübt hat, sollte man sich passende Kleidung besorgen und die organisatorischen Dinge klären (welchen Zug nimmt man? Fährt man mit dem Auto? Wieviel früher sollte man dort sein?). Mitnehmen sollte man ein Dossier, bestehend aus

  • Der ausgedruckten Stellenausschreibung
  • Informationen über die Firma
  • Den eigenen Bewerbungsunterlagen
  • Den vorbereiteten Fragen
  • Leeren Blättern für Notizen.
pexels-photo-684385.jpegMit einigen einfachen Tricks hinterlässt man einen guten Eindruck.

Dann ist es Zeit für das eigentliche Gespräch. Für dieses gelten drei wichtige Verhaltensregeln:

  • Authentisch sein: Lügen geht natürlich gar nicht, flunkern nur ein wenig. Sich darüber hinaus ein wenig zu verstellen, ist normal, schliesslich geht es darum, sich gut zu verkaufen. Aber es macht keinen Sinn, zu versuchen, als jemand völlig anderes zu wirken. Diese Fassade kann man ohnehin nicht aufrechterhalten, und spätestens im Arbeitsalltag würde herauskommen, dass man nicht der ist, der man vorgab zu sein.
  • Freundlich sein: Auch wenn die Empfangsperson genervt und der Gesprächspartner forsch ist: Man selbst soll immer freundlich bleiben. Das zeugt von Stressresistenz. Und vielleicht will die Firma auch das Verhalten in unangenehmen Situationen testen.
  • Bescheiden sein: Niemand arbeitet gerne mit Besser- oder Alleswissern. Man darf zwar die eigenen Vorzüge durchaus betonen (es ist schliesslich ein Vorstellungsgespräch), aber sich selbst als den oder die Beste darstellen, ist nicht zu empfehlen. Insbesondere sollte man nicht abschätzig über andere Menschen oder Betriebe, insbesondere über vergangene Kollegen und Vorgesetzte, sprechen.

Diese Verhaltensregeln gelten auch, wenn Fragen gestellt werden, die eigentlich nicht gestellt werden dürften: Fragen zur Familienplanung, religiösen Überzeugung, politischen Einstellung und sexuellen Neigungen. In solchen Situationen kann man den Gesprächspartner freundlich darauf aufmerksam machen, dass Fragen dieser Art nicht relevant sind und auch nicht wahrheitsgemäss beantwortet werden müssen.

 

Was die eigentlichen Interviewfragen angeht, so lassen sich diese meist in zwei Kategorien einteilen: Einerseits in fachliche Fragen, also solche Fragen, mit denen die HR versucht herauszufinden, ob man als Fachperson für den Job geeignet ist. Andererseits in persönliche Fragen, also solche, die klären sollen, ob man als Person in den Betrieb sowie zu den neuen Kollegen passt.

Eine Übersicht der wichtigsten fachlichen Fragen:

  • Warum haben Sie sich für dieses Unternehmen entschieden? Hier ist die Vorbereitung sehr hilfreich; wenn man über das Unternehmen recherchiert hat, weiss man, was einem daran gefällt, und die Frage lässt sich einfach beantworten.
  • Was sind Ihre Stärken und Schwächen? Ein Klassiker. Hier ist es wichtig, abgedroschene Floskeln zu vermeiden («ich bin zu perfektionistisch»), sondern ehrlich zu sein. Wenn man gravierende Schwächen hat, die sich negativ auf die Arbeit auswirken könnten, sollte man diese jedoch nicht unbedingt betonen.
  • Wo möchten Sie in fünf Jahren stehen? Hier geht es darum, zu sehen, was die Kandidaten vom Job erwarten. Auch hier kann die Vorbereitung helfen, sich selbst Klarheit zu verschaffen, was man eigentlich möchte.

 

Eine Übersicht der wichtigsten persönlichen Fragen:

  • Erzählen Sie ein wenig über sich. Das sollte «wie aus der Pistole geschossen kommen», weil man sich genau darauf vorbereitet hat. Dennoch: Keine auswendig gelernten Antworten herunterbeten, und auch nicht den Lebenslauf nachsprechen. Es reicht, zu erzählen, was man für eine Person ist, oder was Kollegen oder Freunde über einen erzählen würden.
  • Was stört sie am meisten an anderen Menschen? Hier sollte man nicht allzu abschätzig über andere Menschen urteilen. Fehler zu nennen, für die jemand nichts kann («Menschen, die stark riechen»), sind nicht empfehlenswert. Man kann sich aber im Voraus überlegen, was man insbesondere bei der Arbeit als störend empfindet und warum.
  • Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Das ist nicht nur Small Talk, sondern soll herausfinden, ob man ein Teamplayer ist und ob man sich für etwas begeistern kann. Freiwillige Arbeiten, Vereinsaktivitäten oder Hobbys, die man leidenschaftlich betreibt, kommen sehr gut an.

 

Nachdem die HR ihre Fragen gestellt hat, darf man normalerweise selbst Fragen stellen. Hier sind die Notizen, die man sich während der Vorbereitung gemacht hat, von Vorteil. Die vorbereiteten Fragen zeigen, dass man das Gespräch und die Firma ernst nimmt und sich für die Stelle wirklich interessiert. Aber Achtung: Nicht alle Fragen sind erlaubt oder erwünscht. Für unangenehme politische Fragen, Erkundungen zu Lohnerhöhungen, Überstunden und Vergünstigungen ist es noch zu früh.

hands-coffee-cup-apple.jpgNach dem Gespräch unbedingt Kontakt aufnehmen.

3. Nach dem Gespräch

Nach dem Gespräch ist noch nicht alles gelaufen; einen oder spätestens zwei Tage nach dem Gespräch sollte man sich nochmals bei der Firma melden, sich für das Gespräch bedanken und betonen, dass man nach wie vor Interesse an der Stelle hat. Das kann man via Telefon, E-Mail oder vielleicht sogar mit einem Brief tun.

 

Natürlich kann es auch trotz guter Vorbereitung vorkommen, dass eine Mitbewerberin oder ein Mitbewerber die Stelle kriegt – so spielt das Leben. Aber wenn man im hart umkämpften Arbeitsmarkt eine Chance haben möchte, kommt man um ein professionelles Handling des Vorstellungsgesprächs nicht herum.

News